Dr. Claudia Mamerow, Ihr Ansprechpartner für Zucht,Haltung und Medizin.
Die Frage
Hallo Frau Dr. Mamerow
ich habe gesehen, daß sie ihre Pferd mit einem Brandzeichen brennen. Das würde ich mit unseren Pferden auch gerne machen. Jetzt habe ich drei Fragen.
1. Welche Vorschriften gibt es bzgl. Brandzeichen?
2. Ist das brennen der Pferde gesundheitlich unbedenklich?
3. Wann soll man die Pferde am besten brennen?
Vielen Dank
Kerstin Müller
Die Antwort
Liebe Frau Müller,
zu 1. Es gibt keine nationalen Vorschriften bezüglich der Brandzeichen. Das Brandzeichen sollte sich jedoch von den bekannten eingetragenen Brandzeichen unterscheiden, um Probleme zu vermeiden.
Von Seiten der AQHA und der APHA gibt es meines Wissens keine Einschränkungen, Ihrer Kreativität ist also in sofern keine Grenze gesetzt.
Die Verwendung des Heißbrandes ist aus tierschutzrechtlicher Sicht stark umstritten. In den Niederlanden überlegt man z.B. nur noch Kaltbrand zuzulassen und den Import von heißgebrannten Pferden zu verbieten.
zu 2. Wir brennen unsere Pferde mit einer Standnarkose, wie Sie sie von den Zahnbehandlungen ihrer Pferde vielleicht kennen.
Erstens halten sie still, wodurch man exakter und ruhiger arbeiten kann, und zweitens bekommen sie von der kurzen Unannehmlichkeit wirklich nichts mit.
In den Folgetagen sehen sie eine leichte Schwellung an der Brandstelle, die vor dem Brennen rasiert und desinfiziert wurde. Die Tiere reagieren aber nicht schmerzempfindlich, wenn man sie dort berührt.
In seltenen Fällen kommt es nach 1-2 Wochen mal vor, daß die Stelle leicht näßt. Das heilt am Besten ohne Behandlung ab.
Ich möchte betonen, dass diese Aussagen ausschliesslich für Kaltbrand gelten. Dies ist ein Verfahren, bei dem das Brandeisen in flüssigem Stickstoff auf ca. -180 Grad/Celsius heruntergekühlt wird. An der Brandstelle wachsen beim nächsten Haarwechsel nur noch weisse Haare nach. Es bleibt normalerweise keine Brandnarbe zurück.
Die Sedierung der Pferde sollte man von seinen Tierarzt durchführen lassen. Jede Form von Narkose birgt ein Restrisiko.
Auch das Brennen selbst sollte durch jemanden mit Erfahrung durchgeführt werden. Die Qualität des Brandes ist entscheidend davon abhängig, wie stark und wie lange das Eisen aufgedrückt wird. Außerdem muß das Brandeisen aus einer Spezialmetallegierung bestehen, welches gleichmäßig die Kälte wieder abgibt.
Ein falsches Eisen, unerfahrene Hände oder auch falsche oder schlechte Desinfektion kann zu sehr häßlichen Wunden führen, die über einen langen Zeitraum nacheitern können.
zu 3. Wir brennen unsere Pferde nach dem Absetzen. Hierbei sollte man bedenken, dass die Fohlen dann noch weiter wachsen und der Brand dementsprechend mitwächst. Wir müssen diesen Zeitpunkt aber wählen, da danach die schon verkauften Pferde für immer unseren Hof verlassen.
Prinzipiell kann man Pferde in jedem Alter brennen. Aus medizinischer Sicht sollte man das Brennen aber nach Möglichkeit in die fliegenfreie Zeit verlegen, um das Infektionsrisiko zu verringern.
Viele Grüße
Claudia Mamerow
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